Lassen Sie mich Doktor, ich bin durch!

Ich möchte ja nicht in der Haut von Karl-Theodor zu Guttenberg stecken. Also, ganz allgemein schon nicht, und gerade jetzt so überhaupt nicht (ich möchte ja nicht mal in seinen Klamotten stecken, aber das ist ein anderes Thema). Was hat der Mann nicht alles durchgemacht in letzter Zeit, alleine mit seiner Truppe: Ungereimtheiten bei der Aufklärung von „Unfällen“ in Afghanistan, illegal geöffnete Feldpost, zu guter Letzt die Probleme auf Deutschlands Vorzeige-Schulschiff ‚Gorch Fock‘. Dazu eine Ehefrau, die sich zur obersten Pädophilen-Jägerin erklärt, dabei auf rechtlich bedenkliche Methoden zurückgreift und sich einem Shitstorm allererster Güte ausgesetzt sah. Aber an Teflon-Theodor prallt alles ab. Gar kein Problem, wenn man Deutschlands größte Boulevardzeitung hinter sich hat (noch so ein Grund, warum ich nicht in seiner Haut stecken möchte: Würde die Bildzeitung so positiv über mich berichten, ich hätte schon längst was dagegen unternommen). Und jetzt das. Der ehrenwerte Freiherr hat in seiner Doktorarbeit wohl die eine oder andere Fußnote vergessen (An dieser Stelle sei nochmal auf dieses großartige Buch von Oppa Guttenberg hingewiesen… Welch ironischer Bumerang der Geschichte (1)!). Was mit zwei aus Zeitungen abgepinnten Zitaten begann, nimmt mittlerweile immer größere Ausmaße an.

Sowas kotzt mich an. Jedes Jahr predigen wir den Studenten aufs Neue, dass sie jegliches Zitat zu kennzeichnen haben und Abschreiben kein Kavaliersdelikt ist. Im vergangenen Jahr musste ich dies einer Studentin leider auf die harte Tour beibringen (mit dem Resultat, dass ich sie dieses Jahr noch mal betreuen darf. Toll.). Und jetzt kommt der fleischgewordene Pomadenpott mit sowas daher. Wenn er damit durchkommt, muss ich in Zukunft noch mehr rumdiskutieren, warum plagiieren so scheiße ist. Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Ich verlange auf keinen Fall seinen Rücktritt, denn die ganze Sache hat nichts mit seinem Job zu tun (den er, und jetzt steinigt mich ruhig verbal, meiner Meinung nach ganz ordentlich macht). Sollte die entsprechende Promotionsordnung dies jedoch zulassen, sollte man ihm seinen Doktortitel aberkennen. Ganz einfach. Bei dem Namen kommt es doch auf zwei Buchstaben wirklich nicht an.

Und als wäre die Causa Guttenberg an sich nicht ärgerlich genug, kommt dann in der Bildzeitung auch noch mein Lieblings-Meinungswechsler Franz-Josef Wagner zu Wort, und schließt seinen wie immer hanebüchenen Brief mit den Worten „Scheiß auf den Doktor. Scheiß auf den Doktor? Sag mal, geht’s noch? Drei Zeilen vorher zugeben, noch nie ‘ne Uni von innen gesehen zu haben und damit bar jeglicher Sachkenntnis zu sein und dann sowas? Es gibt genug Leute, die sich jahrelang den Arsch aufreißen und 60 Stunden die Woche für das Gehalt einer halben Stelle arbeiten um auf ehrliche Weise ihren Doktor zu machen. Der Kommentar Wagners ist ein Schlag ins Gesicht jedes einzelnen ehrlichen Doktoranden. Aber hey, was kann man von der Bild auch schon erwarten?

Schöne Beiträge zu dem Thema finden sich auch bei den Ruhrbaronen, dem BILDblog, den JANsichten und dem Sprachlog.

(1) Zitat Christoph E.

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